Sozioökonomische Auswirkungen des GVO-Anbaus in Brasilien

2013_SojabrasilAnlässlich der aktuellen Debatte über Sozioökonomie als neues Zulassungskriterium für GVO stellte Regine Rehaag Ergebnisse des Projektes „Auswirkungen des Einsatzes transgenen Saatguts auf die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Strukturen in Brasilien“ auf der Tagung „Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit in der GVO-Debatte“ vor.Die Studie Auswirkungen des Einsatzes transgenen Saatguts auf die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Strukturen in Brasilien war als eine von vier Fallstudien für das Projekt »Auswirkungen des Einsatzes transgenen Saatguts auf die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Strukturen in Entwicklungsländern« im Jahr 2006 vom Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) in Auftrag gegeben worden. Unter Leitung von Regine Rehaag hat das KATALYSE Institut die Fallstudie Brasilien in Kooperation mit den brasilianischen Wissenschaftlern Germano Batista Rodrigues und Marijane Vieira Lisboa durchgeführt und die Ergebnisse in einem im Mai 2009 veröffentlichten 160seitigen Bericht dargestellt (Literaturhinweise und Verweise auf im Internet zugängliche Publikationen wurden anlässlich der Tagung durchgesehen und aktualisiert).
Der Bundestagsausschuss für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hatte das Projekt unter der Zielsetzung angeregt, die Informations- und Debattenlage aufzuarbeiten sowie möglichst konkret zu erfassen, wie sich der Einsatz transgenen Saatguts in Entwicklungsländern in den letzten zwölf Jahren entwickelt hat, welche Folgen identifizierbar sind und was daraus für die zukünftige Ausgestaltung der deutschen Entwicklungspolitik abgeleitet werden kann.
Der auf Basis der vier Länderfallstudien von Dr. Arnold Sauter erarbeitete TAB-Arbeitsbericht Nr. 128 mit dem Titel „Transgenes Saatgut in Entwicklungsländern – Erfahrungen, Herausforderungen, Perspektiven“ gibt einen Überblick über die internationale Debatte zu Chancen und Risiken der Nutzung gentechnisch veränderter Sorten in Entwicklungsländern. Einen Schwerpunkt bilden die Ergebnisse der Fallstudien zu den vier Ländern mit ausgedehntem Einsatz von gentechnisch veränderten Pflanzen (GVP): Brasilien, Chile, China und Costa Rica sowie eine länderübergreifende Analyse und Diskussion.
In der Zusammenschau zeigt sich, dass die gesellschaftlichen Kontroversen in erster Linie die Themen Teilhabe und Sozialverträglichkeit und nicht vorrangig technisch-naturwissenschaftliche Fragen der biologischen Sicherheit betreffen.
Zentrale Ergebnisse des TAB-Projekts:

der bisherige Nutzen des Einsatzes transgenen Saatguts in Entwicklungs- und Schwellenländern in Bezug auf das Spektrum der Pflanzenarten, Sorten und Eigenschaften erscheint begrenzt,
die Datenlage zu den sozioökonomischen Effekten ist nach wie vor unzureichend und lässt nicht einmal auf nationaler Ebene eine abschließende Bewertung der betriebs- und volkswirtschaftlichen Effekte zu.

Im Fazit heißt das: die Frage, ob gentechnisch veränderte Pflanzen in absehbarer Zukunft nachhaltige, angepasste Optionen für unterschiedlich entwickelte Agrarwirtschaften bieten können, lässt sich gegenwärtig nicht fundiert beantworten.
Eine Sichtung der neueren Literatur deutet für Brasilien auf zunehmend problematische sozioökonomische Effekte in Brasilien seit Abschluss der Fallstudie. So sind bspw. die Betriebskosten beim transgenen Sojaanbau erheblich gestiegen. Gründe dafür sind neben drastischen Preissteigerungen bei Saatgut und Herbizid (Soja Round up Ready und Herbizid) im letzten Jahr, der steigende Herbizideinsatz infolge zunehmender Resistenzen und der scheinbar beobachtete Rückgang der Erträge. Angesichts der überblicksartigen ersten Eindrücke hält Regine Rehaag eine fundierte Bestandsaufnahme und Aufarbeitung im Rahmen einer aktuellen Untersuchung für geboten.

Über KATALYSE Institut

Das KATALYSE Institut engagiert sich als unabhängiges Forschungsinstitut für den Schutz von Umwelt und Gesundheit sowie für eine nachhaltige Entwicklung in Nord und Süd. Mit einem sozial-ökologischen Forschungsansatz erarbeiten wir Lösungsangebote für gesellschaftliche Problemstellungen. Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen ‚Ernährung und Gesundheit‘, ‚Bauen und Wohnen‘ und ‚Nachhaltiger Konsum‘.