Der Wassermann: Ralf Steeg und sein Kampf für den sauberen Fluss

4bc9ad5658„Ich springe ins Wasser. Ich lasse mich von der Strömung tragen, links und rechts ziehen die Ufer vorbei, wenn ich mit dem Kopf untertauche, höre ich das Klirren der Kiesel, die die Strömung über den Flussboden treibt. Ich ziehe mich aus dem Wasser. Ich springe wieder hinein. Den ganzen langen Tag. An diesem Sommertag an der Aare begreife ich, welche grandiose Verschwendung von Freude und Glück ein schmutziger Fluss ist.”

Köln, 17.11.15: Der Ingenieur Ralf Steeg will der Stadt ihren schönsten Ort zurückgeben. Den Fluss.

Er hat eine bahnbrechende Technologie entwickelt, um die Spree sauber zu machen. So sauber, dass man mitten in Berlin wieder darin baden kann. Und seine im Gewässer montierten Abwasserspeicher sollen zugleich eine Kette von Inseln auf dem Fluss bilden. Sonnendecks, Cafés und Gärten.

Seit 14 Jahren kämpft er gegen die Trägheit der Behörden, die Ignoranz der Technokraten und die Mutlosigkeit der politischen Entscheidungsträger. Doch er macht weiter. Denn zu kämpfen und zu warten hat Ralf Steeg gelernt: Mit 15 Jahren versucht er, aus der DDR zu fliehen. Er wird erwischt. Zehn Monate lebt er in der Hölle, in einem Gefängnis in Halle. Dann kauft die Bundesrepublik ihn frei. Er zieht nach West-Berlin, kommt mit der Hausbesetzerszene in Berührung und beginnt zusammen mit den Anwohnern, in verwahrlosten Hinterhöfen blühende Gärten anzulegen.

In der Schönheit der Natur findet er seine Mission: das Paradies, das von Zerstörung bedroht oder schon verschwunden ist, zu retten. Oder es neu zu schaffen. Mit der sauberen Spree hat diese Mission ein großes Ziel gefunden. Im Sommer 2015 scheint dieses Ziel fast erreicht: Die Berliner Politik hat das Baden in der Spree zu ihrem Projekt erklärt. Ganz unauffällig und bisher unbemerkt.

  • Autor: Sandra Prechtel
  • Verlag: LangenMüller Herbig
  • Release: 2015
  • Seiten: 208
  • ISBN: 978-3-7766-2766-4
  • Preis: 20,00€