Pressemitteilung: Transgenes Saatgut in Entwicklungsländern – Erfahrungen, Herausforderungen, Perspektiven

Der Endbericht zum Projekt »Auswirkungen des Einsatzes transgenen Saatguts auf die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Strukturen in Entwicklungsländern« des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) ist erschienen.

Die Studie ist vom Bundestagsausschuss für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung unter der Zielsetzung angeregt worden, die Informations- und Debattenlage aufzuarbeiten sowie möglichst konkret zu erfassen, wie sich der Einsatz transgenen Saatguts in Entwicklungsländern in den letzten zwölf Jahren entwickelt hat, welche Folgen identifizierbar sind und was daraus für die zukünftige Ausgestaltung der deutschen Entwicklungspolitik abgeleitet werden kann.

Vor diesem Hintergrund hatte das TAB im Jahr 2006 Fallstudien für die Länder Brasilien, Chile, China und Costa Rica in Auftrag gegeben. Unter Leitung von Regine Rehaag hat das KATALYSE Institut die Fallstudie Brasilien in Kooperation mit den brasilianischen Wissenschaftlern Germano Batista Rodrigues und Marijane Lisboa durchgeführt und die Ergebnisse in einem 160seitigen Bericht dargestellt.
Auf Basis der vier Länderfallstudien hat Dr. Arnold Sauter vom TAB einen Bericht erarbeitet, der am 22. April 2009 im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung vorgestellt wurde und heute veröffentlicht und als PDF-Datei verfügbar ist.

Der TAB-Arbeitsbericht Nr. 128 mit dem Titel „Transgenes Saatgut in Entwicklungsländern – Erfahrungen, Herausforderungen, Perspektiven“ gibt einen Überblick über die internationale Debatte zu Chancen und Risiken der Nutzung gentechnisch veränderter Sorten in Entwicklungsländern. Einen Schwerpunkt bilden die Ergebnisse der Fallstudien zu den vier Ländern mit ausgedehntem Einsatz von gentechnisch veränderten Pflanzen (GVP): Brasilien, Chile, China und Costa Rica sowie eine länderübergreifende Analyse und Diskussion.

In der Zusammenschau zeigt sich, dass die gesellschaftlichen Kontroversen in erster Linie die Themen Teilhabe und Sozialverträglichkeit und nicht vorrangig technisch-naturwissenschaftliche Fragen der biologischen Sicherheit betreffen.
Zentrale Ergebnisse des TAB-Projekts:

  • der bisherige Nutzen des Einsatzes transgenen Saatguts in Entwicklungs- und Schwellenländern in Bezug auf das Spektrum der Pflanzenarten, Sorten und Eigenschaften erscheint begrenzt,
  • die Datenlage zu den sozioökonomischen Effekten ist nach wie vor unzureichend und lässt nicht einmal auf nationaler Ebene eine abschließende Bewertung der betriebs- und volkswirtschaftlichen Effekte zu.

Im Fazit heißt das: die Frage, ob gentechnisch veränderte Pflanzen in absehbarer Zukunft nachhaltige, angepasste Optionen für unterschiedlich entwickelte Agrarwirtschaften bieten können, lässt sich gegenwärtig nicht fundiert beantworten.

Für Brasilien hält Regine Rehaag folgendes Szenario für wahrscheinlich und plausibel:
„Für die Zukunft wird erwartet, dass die Zahl der transgenen Sorten und die Größe der Produktionsflächen deutlich steigen werden. Insbesondere die Sojaflächen könnte im Rahmen der Biodieselproduktion noch einmal enorm ausgedehnt werden. Auch im Zuge der Ausweitung des Zuckerrohranbaus als Bioenergieträger dürften transgene Sorten zukünftig eingesetzt werden. Der konventionelle Produktionssektor dürfte auf Dauer ein Nischen- bzw. Spezialmarkt werden“.

Am Mittwoch, den 29. April 2009 wird der interessierten Öffentlichkeit die Möglichkeit geboten, die Ergebnisse der Untersuchung aus erster Hand zu erfahren. Die gemeinsam vom Evangelischen Entwicklungsdienst (EED), von der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW) und dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) organisierte Veranstaltung findet von 16:00 – 20:30 im Haus der EKD am Gendarmenmarkt, Charlottenstraße 53/54, 10117 Berlin statt.

Weitere Informationen:
Regine Rehaag, KATALYSE Institut für angewandte Umweltforschung, Volksgartenstr. 34, 50677 Köln Tel: +49 (221) 944048 – 41

Die Pressemitteilung zum Download

Über KATALYSE Institut

Das KATALYSE Institut engagiert sich als unabhängiges Forschungsinstitut für den Schutz von Umwelt und Gesundheit sowie für eine nachhaltige Entwicklung in Nord und Süd. Mit einem sozial-ökologischen Forschungsansatz erarbeiten wir Lösungsangebote für gesellschaftliche Problemstellungen. Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen ‚Ernährung und Gesundheit‘, ‚Bauen und Wohnen‘ und ‚Nachhaltiger Konsum‘.