Verharmlosung der Gesundheitsgefährdung von Glyphosat

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ARD Magazin FAKT deckt Verharmlosung der Gesundheitsgefährdung von Glyphosat durch das Bundesinstitut für Risikobewertung auf – die Kritik von Experten und Öffentlichkeit wurde jahrelang mit falschen Aussagen zurückgewiesen.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat die Öffentlichkeit im Zusammenhang mit dem umstrittenen Herbizid Pflanzengift Glyphosat jahrelang falsch informiert, so der Bericht von FAKT. Danach bestätigt das BfR offensichtlich in einem Dokument vom August 2015 die WHO-Ergebnisse der Krebsforschungsagentur IARC, die in Tierstudien mehrere signifikante Häufungen von Tumoren feststellte. Bisher hatte das BfR die Ergebnisse als wenig relevant bezeichnet, obwohl in fünf Tierstudien an Mäusen signifikante Steigerungen von Tumorarten festgestellt wurden. Während die WHO erklärt, dass Glyphosat „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ und „sicher krebserregend bei Tieren“ sei, bleibt das BfR offensichtlich bei der Aussage, dass bei Glyphosat kein Krebsrisiko für Menschen bestehe.
Diese Einschätzung des BFR hat besondere Bedeutung, weil die Zulassung für das Pestizid Ende 2015 ausläuft und eine erneute Klassifizierung von Glyphosat vorgenommen werden muss. Sein Urteil zu den Gesundheitsgefahren ist letztlich auch entscheidend für die EU-Neuzulassung für weitere zehn Jahre durch die EFSA (European Food Safety Authority).
Offensichtlich legte das BfR bei der Bewertung eine industriefreundliche Haltung an den Tag, da die gesundheitliche Wirkungseinschätzung von Glyphosat sich offenbar auf statistische Daten und Untersuchungen der Hersteller stützt. Eine gesundheitliche Bewertung im Sinne des vorsorgenden Verbraucherschutzes darf sich jedoch nicht nur auf Herstellerdaten stützen, sondern muss auch unabhängige Untersuchungen und Daten hinzuziehen und die Wirkungsabschätzungen in Zusammenschau objektiv bewerten. Im Zweifel ist für den Gesundheitsschutz der VerbraucherInnen zu entscheiden. Dies hat das BfR offensichtlich unterlassen und sich in eine Reihe mit den Skandalen ihrer Vorgängerbehörden gestellt.
Angesichts der Bewertungsfehler ist es aus unserer Sicht notwendig, unverzüglich unabhängige Fachleute mit einer Bewertung zu Glyphosat zu beauftragen. Gestern (20.10.15) haben sich Europa- und Bundestagsabgeordnete mehrerer Fraktionen in einem offenen Brief an die EU-Kommission gewandt, um den fehlerhaften und verharmlosenden Bericht des BfR nicht als Grundlage für die Neuzulassung zu akzeptieren. Doch die EU-Kommission beabsichtigt wohl, die Zulassung von Glyphosat vorläufig um weitere sechs Monate zu verlängern.
Nach einer Meldung von Ende September 2015 will die kalifornische Umweltschutzbehörde EPA Glyphosat in die Liste der krebsverursachenden Mittel aufnehmen. Glyphosat befindet sich unter anderem im Monsanto-Breitbandherbizid Roundup.
Glyphosat ist das meistverkaufte Unkrautbekämpfungsmittel und das weltweite ‚Standardmittel‘ für die Landwirtschaft. In Deutschland wird es auf 40 Prozent der Ackerflächen versprüht. Es ist v.a. als Hauptbestandteil von Roundup des Unternehmen Monsanto bekannt und in zahlreichen anderen Pestizidmischungen enthalten. Insgesamt werden mehr als 5.000 Tonnen des reinen Wirkstoffs verbraucht. Rückstände von Glyphosat werden in zahlreichen Lebensmitteln nachgewiesen – Einige Baumarktketten haben längst Konsequenzen gezogen und glyphosathaltige Pestizide für den Kleingarten aus ihrem Sortiment genommen.